Budgetquote Freie Szene

5 Prozent für die Freie Szene – ein Versprechen, das eingelöst werden muss

Die Freie Kulturszene ist ein wesentlicher Bestandteil der Magdeburger Kulturlandschaft. Sie schafft Konzerte, Ausstellungen, Festivals, Theater, Literatur, soziokulturelle Angebote und immer wieder neue Formate. Sie reagiert schnell auf gesellschaftliche Entwicklungen, erschließt neue Orte und erreicht Menschen, die von klassischen Kulturinstitutionen nicht immer erreicht werden.

Dass diese Szene gestärkt werden muss, ist dabei keineswegs nur eine Forderung des Netzwerk Freie Kultur e.V. Es ist bereits in der Kulturstrategie Magdeburg 2030 festgeschrieben.

Dort heißt es ausdrücklich, die Freie Szene solle beziehungsweise müsse finanziell gestärkt werden. Als Möglichkeit wird eine dynamische Quote am städtischen Kulturetat genannt. Noch eindeutiger wird die Kulturstrategie bei den dauerhaften Handlungsempfehlungen: Unter N32 steht schlicht und klar: „Einrichtung einer Budget-Quote für die Freie Kulturszene.“

Unser Ziel: 5 Prozent des Kulturetats

Das Netzwerk Freie Kultur e.V. fordert deshalb, dieses Vorhaben endlich umzusetzen. Unser Ziel ist eine Budgetquote von 5 Prozent des städtischen Kulturetats für die Freie Szene.

Dabei erwarten wir nicht, dass dieser Wert zwingend von einem Haushaltsjahr auf das nächste erreicht wird. Eine stufenweise Entwicklung ist möglich und angesichts der kommunalen Haushaltslage auch nachvollziehbar. Entscheidend ist etwas anderes: Wir müssen anfangen.

Es braucht einen transparenten Ausgangswert, ein nachvollziehbares Ziel und eine erkennbare Entwicklung von Jahr zu Jahr.

Genau darüber haben wir uns auch mit dem Kulturdezernat verständigt. Künftig wollen wir regelmäßig gemeinsam auf die Haushaltszahlen schauen: Welche Mittel standen der Kultur insgesamt zur Verfügung? Welche davon kamen tatsächlich der Freien Szene zugute? Wie hoch war damit die Budgetquote im vergangenen Jahr – und welche Quote wird für das kommende Haushaltsjahr angestrebt?

Die Ergebnisse dieser Gespräche und Berechnungen werden wir an dieser Stelle veröffentlichen. So soll für Kulturschaffende, Politik und Stadtgesellschaft nachvollziehbar werden, ob die in der Kulturstrategie formulierte Stärkung der Freien Szene tatsächlich stattfindet.

Auch dieses Prinzip entspricht der Kulturstrategie. Unter der Handlungsempfehlung A07 fordert sie ausdrücklich eine „Evaluation Mittelverteilung“ und die Herstellung von „Transparenz von Förderstrukturen“.

Wie steht Magdeburg im Vergleich da?

Um einschätzen zu können, ob fünf Prozent eine angemessene Größenordnung sind, haben wir uns mit Kulturakteur:innen aus anderen Städten und Regionen ausgetauscht.

Solche Vergleiche sind nicht trivial. Kommunale Haushalte sind unterschiedlich aufgebaut, Förderstrukturen unterscheiden sich und jede Stadt besitzt ein eigenes kulturelles Profil. Deshalb haben wir versucht, die jeweiligen Zahlen zunächst so weit wie möglich vergleichbar zu machen. Der Vergleich ist keine mathematisch perfekte Rangliste kommunaler Kulturpolitik – er liefert aber eine wichtige Orientierung.

Für das Haushaltsjahr 2024 ergibt sich nach unseren Erhebungen folgendes Verhältnis der Ausgaben für die Freie Szene zu den gesamten Kulturausgaben:

KommuneAnteil der Freien Szene am Kulturetat
Stadt Hildesheim8,09 %
Chemnitz6,75 %
Landkreis Hildesheim4,34 %
Nürnberg4,10 %
Magdeburg3,07 %

Damit liegt Magdeburg in diesem Vergleich auf dem letzten Platz.

Gerade deshalb halten wir eine Zielmarke von 5 Prozent nicht für überzogen. Im Gegenteil: Selbst bei fünf Prozent läge Magdeburg noch deutlich unter den von uns ermittelten Werten der Stadt Hildesheim und von Chemnitz. Es geht also nicht um eine außergewöhnlich hohe Forderung, sondern darum, die Finanzierung der Freien Szene schrittweise in eine Größenordnung zu entwickeln, die auch andernorts längst Realität ist.

Keine Forderung aus dem luftleeren Raum

Die Kulturstrategie selbst beschreibt die Probleme sehr deutlich: Viele Akteur:innen der Freien Szene kämpfen mit unzureichenden finanziellen und personellen Ressourcen, fehlender Planungssicherheit und einer Überbeanspruchung der eigenen künstlerischen Arbeitskraft. Daraus zieht die Strategie die Schlussfolgerung, dass die Strukturen finanziell besser und nachhaltiger aufgestellt werden müssen.

Unsere Forderung nach fünf Prozent knüpft genau daran an.

Wir verlangen keine Sonderbehandlung der Freien Szene und stellen die Bedeutung der städtischen Kulturinstitutionen nicht infrage. Wir wollen vielmehr, dass die Vielfalt der Magdeburger Kulturlandschaft auch in der Verteilung der öffentlichen Kulturmittel angemessen sichtbar wird.

Die Richtung dafür hat sich Magdeburg bereits selbst gegeben: Freie Szene finanziell stärken. Mittelverteilung transparent machen. Eine Budgetquote einrichten.

Jetzt geht es darum, diese Ziele mit Leben zu füllen.

Unser Vorschlag lautet deshalb: schrittweise auf fünf Prozent – transparent, überprüfbar und im regelmäßigen Dialog zwischen Stadt und Freier Szene.

Auf dieser Seite werden wir die Entwicklung der Budgetquote künftig dokumentieren. So kann jede:r nachvollziehen, wo Magdeburg steht – und ob aus einer Handlungsempfehlung der Kulturstrategie tatsächlich politisches Handeln wird.

Situation im Jahr 2025

Verteilung Kulturausgaben 2025